Aufgrund der guten Erfahrungen, die der Norddeutsche
Lloyd seit mehr als dreißig Jahren mit der Ausbildung des
Offiziersnachwuchses auf eigenen Schulschiffen gemacht hatte, wurde Mitte
der dreißiger Jahre in der Reederei erwogen, wieder ein großes
Rahsegelschiff zu erwerben, um es als Schulschiff in Dienst zu stellen. Als
daher die Viermastbark MAGDALENE VINNEN im Frühjahr 1936 von einer ihrer
La-Plata-Reisen heimkehrte und bekannt wurde, dass die Reederei Vinnen sich
entschlossen hatte, das Schiff zu verkaufen, interessierte sich der
Norddeutsche Lloyd sofort für diesen Segler.
Die eingehende Besichtigung des Viermasters ergab,
dass man ein Schiff vor sich hatte, dessen bauliche Qualitäten und
See-Eigenschaften direkt dazu herausforderte, aus ihm ein Segelschulschiff
zu machen, war doch alles an ihm noch von solcher Güte und Stabilität, das
es ohne weiteres möglich war, mit diesem Schiff auf lange Fahrt um Kap Horn
zu gehen. Der Norddeutsche Lloyd Bremen kaufte daher am 9. August 1936 die
MAGDALENE VINNEN und baute sie in der reedereieigenen Werft zum
frachtfahrenden Schulschiff um. In der Hauptsache mussten zusätzlich
Unterkunftsräume geschaffen werden, weil das Schulschiff neben seiner
Stammbesatzung auf jeder Reise 50 bis 60 Offiziersanwärter mitnehmen sollte.
So konnte das neue Schulschiff des
Norddeutschen Lloyd schon am 12. August 1936 in Bremen in Dienst gestellt
werden, wobei es den Namen KOMMODORE JOHNSON erhielt. Der Namenspatron war
ein Mann, der sich durch Fleiß, Treue und Ausdauer vom kleinen Schiffsjungen
zum Führer der schnellsten und größten Dampfer des Norddeutschen Lloyd
EUROPA und BREMEN, und zum Kommodore der Lloyd-Flotte hochgearbeitet hatte.
In Seefahrtskreisen wurde besonders die Absicht der Reederei anerkannt, das
Schulschiff mit Ladung auf Reisen zu schicken. Der Lehrplan sah in erster
Linie das gründliche Erlernen der praktischen Seemannschaft und des
Ladungsdienstes vor. Auf dem Schulschiff KOMMODORE JOHNSON sollten die
jungen angehenden Seeleute und Kapitäne zwar mit der ganzen Schwere, aber
auch mit den schönen Seiten dieses Berufes bekannt und vertraut gemacht
werden.
AM 8. Oktober 1936 verließ die KOMMODORE
JOHNSON zum ersten Mal als Schulschiff Bremerhaven. Das mit Steinkohle
beladene Schiff erreichte seinen Zielhafen Montevideo am 6. Dezember 1936 in
nur 58 Tagen. 6.820 Seemeilen wurden dabei zurückgelegt. Am 8. Januar 1937
lief die Bark von Buenos Aires mit einer Ladung Weizen Richtung Heimat aus.
Auf dieser Strecke geriet das Schiff in die wohl kritischste Lage in ihrer
gesamten Laufbahn. Auf der Höhe der Azoren geriet die KOMMODORE JOHNSON am
1. März 1937 in einen schweren Sturm, der sich zum Orkan auswuchs. Die an
sich nicht außergewöhnliche Lage wurde aber bedrohlich, als sich das Schiff
mit einer Schlagseite von 20 Grad nach
Backbord neigte. In dem heftig
tobenden Orkan hatte das Schiff schwer zu arbeiten. Da der Segler durch den
nach Norden drehenden Wind
anluvte,
kamen von Backbordseite schwere
Brechseen
über das Deck, so daß das Vordeck mit den Luken und die
achtere
Kuhle unter Wasser standen.
Gegen 2 Uhr
krängte die KOMMODORE JOHNSON in
haushohen Wellenbergen aus Nordwesten und einer mit fürchterlicher Gewalt
einsetzenden Bö stark nach Backbord über. Aus dieser Schräglage richtete
sich das Schiff nicht mehr ganz auf, sondern behielt eine Schlagseite von 20
Grad nach Backbord, die dann stündlich weiter zunahm.
Am 1. April 1937 erhielt Gottfried Clausen
das Kommando auf der KOMMODORE JOHNSON. Er war bereits als 1. Offizier unter
Kapitän Lehmberg gefahren und auf sein neues Amt vorbereitet worden. Auf 3
Weltreisen hatte Kapitän Clausen das Kommando. Von ihrer letzten Fahrt als
Schulschiff für den Norddeutschen Lloyd kehrte die KOMMODORE JOHNSON am 11.
August 1939, wenige Wochen vor Kriegsausbruch, zurück. 1945 lag der Segler,
zusammen mit der PADUA, in der Flensburger Förde. Am 20. Dezember 1945 wurde
das Schiff von den Briten als Reparationsleistung an die Sowjetunion
übergeben. Für den Eigner der Viermastbark, die UDSSR, wehte ab Januar 1946
die rote Flagge. Insgesamt hatte die Bark unter Lloyd-Flagge während der
vier Reisen von 1936 - 1939 eine Strecke von 97.469 Seemeilen zurückgelegt.
Das entspricht dem viereinhalbfachen Erdumfang.
Während des Krieges waren nur bedingt
Ausbildungsfahrten möglich, obgleich man im letzten Ausbildungsjahr 1944 der
Mannschaft mit "847 verschiedenen Segelmanövern in 125 Tagen" mehr zumutete
als das auf herkömmlichen Reisen je der Fall war.